Leserbriefe an die Schweizer Illustrierte:
Ich finde es pietätlos und taktlos, einen Menschen, der tot ist und abgebüsst hat, so darzustellen.
Dass irgend so ein halbverrückter, sogenannt weltberühmter Künstler ein solches Bild malt und sofort Anhänger findet, ist klar. Man kann heute die grösste Idiotie produzieren und verbreiten und hat sofort Anhänger und Befürworter. Dass aber Redaktoren der Schweizer Illustrierten ein solches Bild auf die Titelseite setzen, ist ein ausserordentlich starkes Stück.
Es war für mich eine positive Überraschung, endlich einmal etwas anderes auf der SI-Titelseite zu sehen als die "Dauerbrenner" Pirmin, Russi & Co. Ich finde das Plakat äusserst gelungen, einerseits wegen der glänzenden Idee, einen Blossgestellten plakativ blosszustellen, andererseits, weil ich an einem nackten Mann beim besten Willen nichts Unanständiges finden kann. Auch nicht, wenn er tot ist.
Kreaturen wie Helnwein, der diese Bilder machte, verdienen für mich ganz andere Titel als "Künstler" und sind von der kultivierten Gesellschaft fernzuhalten, bevor sie noch weiteren Schaden anrichten. Die verantwortlichen Leute, die am 9. August 1976 die unerhörte Demütigung des betagten Herrn Jeanmaire veranlassten, gehören auch bestraft.
Die Schweiz scheint der Schweizer Illustrierten aus den Händen geglitten zu sein.
Ausgerechnet auf so einen ausländischen Hosenscheisser haben wir gewartet, um uns unserer "Sünden" bewusst zu werden.
Jahrzehntelang waren meine Familie und ich mehr oder weniger zufrieden mit Ihrer Illustrierten. Nachdem man uns seit geraumer Zeit die Kinder all der verflossenen Stars zumutete, haben Sie mit Ihrer Titelseite mit Jeanmaire das Tüpfchen aufs i gesetzt.
Ich glaube, Jeanmaire hat für sein Vorgehen (ob richtig oder falsch, kann ich nicht beurteilen!) genug gelitten. Würde er noch leben und sich an jeder Strassenecke begegnen, müsste er dies Bild als unendlich verletzend empfinden.
Möchten Sie Ihren Vater nackt in der Zeitung abgebildet sehen?
Ich wünsche Ihnen und diesem Maler null Bestellungen.
Prominente, Intellektuelle und die "Intelligenz" des Landes werden begeistert diesem "Theater in der Bundeshauptstadt" Beifall spendieren. ohne zu merken, dass dieser verstorbene, unbedeutende Drittklassspion einmal mehr missbraucht wird, um von den wahren Verrätern - sichtbar und unsichtbar, aktiv oder im Ruhestand - abzulenken.
Mein Vorschlag wäre, die nächste "Rose" an Herrn Direktor Roland Petitmeret zu vergeben für seine Weigerung, dieses Plakat in den Aushang zu bringen. Den nächsten "Kaktus" entsprechend an Herrn Lukas Leuenberger, der offenbar nichts von ethischen-moralischen Werten hält.
Eine grosse Schande ist es, dass die Verantwortlichen der Redaktion Jeanmaire eine solehe Blösse geben.
Eine Unverschämtheit, wie uns diese Jeanmaire-Geschichte wieder aufgewärmt wird:
"Innert weniger Stunden wurde dieser zufriedene alte Rentner zum grössten Sauhund aller Zeiten gemacht." Er hat sich selber zu dem gemacht, was er war. Warum macht man nicht ein Plakat, worauf Jeanmaire in voller Uniform dem russischen Spion die Adressen aller höheren Offiziere und die geheimen Mobilisationspläne übergibt? Das hat er ja gestanden, dafür wurde er rechtsgültig verurteilt.
Was für ein wohltuender Anblick im Gegensatz zu den Pirmins, Vrenis und Marias, die einem schön längst - würg - aus dem Halse hängen.
Ist das nicht Heuchelei: Im Tone der Entrüstung wird kritisiert, dass Brigadier Jeanmaire vor zwei Polizisten sich demütigend die Hosen runterlassen musste. Nun musste er es vor Hunderttausenden Bildbetrachtern und SI-Lesern.
Wenn ein "sogenannter Künstler" unbedingt auffallen will, so kann er das. Eine Schweizer Illustrierte darf aber nicht jeden Mist drucken.
Endlich kommt das weibliche Geschlecht in diesem Land in den Genuss, einen nackten Mann auf einem Titelbild zu sehen. Herzliche Gratulationen zu Ihrem Mut.
Vergeben Sie in Zukunft nur noch Rosen, Ihre ganze Kaktus-Plantage können Sie für sieh selbst beanspruchen!
Sie wissen doch, dass Gott uns als Ebenbild geschaffen hat. Oder glauben Sie etwa nicht mehr an Gott? Das muss ich fast annehmen. Sonst könnten Sie sich nicht dazu verleiten lassen, ein solch ausgeschämtes Titelbild herzustellen - und noch dazu von einem Toten.
Es ist ein Irrtum zu glauben, es sei den Künstlern generell Narrenfreiheit zuzugestehen, nämlich dann, wenn ihre Kunst gemein und verletzend wirkt, aber auch in Fällen, wo das Publikum in selbstgerechter Arroganz Unzumutbares aufgetischt bekommt.
An die Initianten dieser Bilder die tiefste Verachtung Lind dass sie eines Tages die Strafe dafür erhalten.
Das Handeln von Jeanmaire verurteile ich. Auch bin ich kein Moralapostel. Was Sie sich da aber erlaubt haben, ist einer Schweizer Illustrierten unwürdig!
Ich finde es eine Pietätlosigkeit sondergleichen, den verstorbenen Brigadier in dieser Aufmachung zu publizieren!
Lieber ein paar Schweine als der nackte Jeanmaire! Wenn es geht, würde ich die SI ohne Titelblatt bestellen.
Ich habe den Ex-Brigadier erlebt, als er noch aktiver Offizier war. Sollte es sich erweisen, dass ihm unrecht getan wurde, bin ich der letzte, der sich nicht für eine Rehabilitierung einsetzen würde. Er würde dieses Nackt-Plakat mit Sicherheit als ehrenrührig empfinden, und ich kann auch seinen Sohn nicht begreifen, dass er sich nicht vehement gegen eine solche Diffamierung wehrt. Walo Lüönd bitte ich auszurichten, dass meine bisherige Hochachtung als Folge seiner neuen Rolle auf den Nullpunkt gesunken ist.
Ihre in meinen Augen nicht überzeugenden, heuchlerischen Motive für die Unterstützung dieser geschmacklosen, jämmerlichen Werbekampagne für das betreffende Stück berührt mich äusserst negativ.
Mit einer einigermassen abgeklärten inneren Verfassung grenzt Ihr Titelbild an ein
fragwürdiges Niveau! Da kann man unsern "Allmächtigen" im Himmel nur bitten: Vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!
Sie müssen gar nicht den "Künstler" (mit Kunst hat das Ganze wohl kaum etwas zu tun) vorschieben, Sie schockieren die Leser.
Da gibt es keine Entschuldigung für die Verantwortlichen des Abdrucks dieser Jeanmaire-Bilder, die gehören auch hinter Schloss und Riegel.
Was die "Schweizer Geschmacklosigkeits-Illustrierte" sich in der letzten Ausgabe leistet, ist die Höhe.
Wäre es nicht gerade die vornehme Aufgabe einer Zeitschrift, die heute auf dem Gebiete der bebilderten Information eine eigentliche Monopolstellung einnimmt, durch eine anständige, seriöse und untendenziöse Berichterstattung der allgemeinen Tendenz zur Befriedigung eines rein nur nach Sensation, Skandal, Sex und Sport lechzenden Publikums entgegenzuwirken?
Bei der realen Szene waren nur zwei Personen anwesend. Dem muss man abhelfen. Man muss die Demütigung vor aller Welt wiederholen - vor Hunderttausenden von Menschen muss er nackt ausgezogen werden - oh, welches Takt- und Mitgefühl!
Sie gehen im wahrsten Sinne des Wortes "über Leichen"!
Wir haben uns im Ausland blamiert. Wie war es überhaupt möglich, solche Aufnahmen zu bekommen?
Wenn unsere Medienleute mit dieser Mentalität und ihrer Moralvorstellung so weiterfahren - oder auf diesem Niveau noch tiefer sinken -, wird es mit unserem bis dahin vielgerühmten und beneideten Schweizervolk und unserer Heimat bald zu Ende sein.
Wenigstens weiss ich jetzt, warum Sie uns Frauen nackte Männer vorenthalten.
Jeanmaire wurde sich im Grabe umdrehen. wenn er dieses Titelbild und das Plakat sehen würde, Solch ein Schund, den sie und Helnwein auch noch Kunstwerk nennen, gehört nicht mal in ein Pornoheft.
Es ist ein Faustschlag gegen all diejenigen. die im letzten Aktivdienst ihre Opfer gebracht haben.
Das Titelblatt der jetzigen Nummer gibt mir den Rest für mein Wohlwollen.
Da Herrn Helnwein zum Thema "Jeanmaire - ein Stück Schweiz" nichts Originelleres eingefallen ist, muss man annehmen, dass er ein phantasieloser, primitiver und arroganter Maler ist, der mit seinem "Kunstwerk" höchstens eine Lächerlichkeit gegenüber der Schweizer Armee zum Ausdruck bringt.
Demütigend, dass Jeanmaire dank Ihnen auch noch vor 200 000 Abonnenten ihrer Zeitschrift die Hosen runterlassen musste. Und pietätlos.
Das Titelbild überschreitet die Grenzen sittlicher Empfindung.
Nun ist es genug. Wo bleibt die Menschenwürde, der Anstand und die Pietät?
Wenn ich könnte, würde ich Sie fristlos entlassen.
Wenn ich der Sohn von Herrn Jeanmaire wäre, würde ich Ihnen den Marsch blasen (Gericht).
Ein Mann hat einmal geschrieben: "Wenn die Menschen ihr Schamgefühl aufgeben, werden sie zu Idioten."
Gibt es keine guten Schweizer Künstler, die eine originellere Idee für das Plakat des Theaterstückes -Jeanmaire - ein Stück Schweiz- gehabt hätten?
Lasst doch diesen Haudegen endlich ruhen, sonst wird er auf einmal doch noch ein Märtyrer.
Es lebe die Kunst, aber nicht der nackte Jeanmaire.
Die Affäre Jeanmaire ist sicher nicht vergessen, aber so über einen toten Menschen herzufallen ist schlicht und einfach pietätlos ersten Ranges, Sie würden viel lieber wieder Russi, Walliser, Zurbriggen auf der Titelseite bringen.
Ihre berechnende Komplizenschaft mit dem Gedemütigten von 1976 ist potenzierte Geschmacklosigkeit, Menschenverachtung und dekadente Orientierungslosigkeit. Heuchlerische Wahrheitsliebe und schönfärberischer Protest für Freiheit und Kunst verraten die Feigheit, sich nicht von dekadenten Trends zu distanzieren.
Was zu befürchten war, hat sich nun bestätigt: Sohn Jean-Marc Jeanmaire hat Hand geboten zu diesem Skandal.
Mit seinem Sohn gehe ich einig, wo waren die heute Entrüsteten zu Jeanmaires Lebzeiten? Was soll jetzt dieses Gezeter! Als ältere Frau kann ich nur den Kopf schütteln ob den vielen "Pfuis", die die Leserbriefe enthalten. Diese Leute haben nichts begriffen. Die Grenze des Anstandes haben Sie meines Erachtens nie übertreten. Wenn hie und da nicht alles à mon goût ist, so würde es mir nicht im Traum einfallen, Sie deswegen zu beschimpfen..
Sie müssen gar nicht den "Künstler" (mit Kunst hat das Ganze wohl kaum etwas zu tun) vorschieben. Sie schockieren die Leser.
Glauben Sie, das sei der Geschmack Ihrer Leser? Gute Besserung!
Mit einer einigermassen abgeklärten inneren Verfassung grenzt Ihr Titelbild an ein fragwürdiges Niveau! Da kann man unseren "Allmächtigen" im Himmel nur bitten: Vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!
Ich frage mich, warum sich so viele Ihrer Leser über dieses Plakat aufregen? Es ist ja wahr, dass er nackt vor Uniformierten stehen musste. Sind wir wirklich so engstirnig und schauen von allem weg, was nicht angezogen ist? Ich möchte ja nicht wissen, wie viele von diesen, die ja so auf Ästhetik, Moral und Niveauhöhe schwören, nackte Männer und Frauen in irgendwelchen Zeitschriften oder Fernsehfilmen angeschaut haben.