So zumindest hat sie es Muffathallenchef Dietmar Lupfer am Telephon erklärt. Doch für die Redaktion war Frau Wünsche nicht erreichbar, weil sie ihr Telephon durch Faxgerät ersetzt hatte und auch nicht auf ein Fax reagierte.
Bis heute läßt Ingeborg Wünsche den Muffathallenbetreibern Zeit, eine Unterlassungserklärung abzugeben, in der sie darauf verzichten, jenes Helnwein-Gemälde zu verwenden, das als Bühnenbild auf acht mal fünf Meter vergrößert erscheint. Sonst werde sie eine einstweilige Verfügung gegen die Produktion erreichen. "Wir können ihrem Wunsch nicht entsprechen," formuliert Dietmar Lupfer die Position der Muffathalle. Schließlich liefe es auf Zensur hinaus, wenn die Produzenten den Künstlern vorschreiben würden, was passiert und was nicht.
Besonders Regisseur Gert Hof ist in diesem Punkt allergisch. Noch kurz vor dem Fall der Mauer sollte er in der DDR noch ein Verfahren bekommen wegen "staatsfeindlichen Inszenierens". Aber er habe sich damals nichts verbieten lassen und würde sich auch heute nichts von einer Nazi-Witwe verbieten lassen.
Helnweins Bild paßt wunderbar in Müllers "Hamletmaschine". Thema ist laut Gert Hof, "wie ein Mensch sozial platt gemacht wird". Es geht um die Entindividualisierung eines Unangepaßten, die in Selbstverleugnung endet, im Wunsch, nicht mehr Hamlet, sondern eine Maschine sein zu wollen, die reibungslos funktioniert. In diesen Zusammenhang paßt bestens, daß die Extremtrommler der "Tambours du Bronx" den brachialmusikalischen Teil übernehmen. Gegen Ende spricht Ophelia im Namen Elektras, im Namen einer Mutter die ihre Kinder vernichten will: "Wenn sie mit Fleischmessern durch eure Schlafzimmer geht, werdet ihr die Wahrheit wissen." Und dazu Helnweins Naziparodie als ironischer Kommentar.
Die Muffathalle reagiert auf die angedrohte einstweilige Verfügung mit einer Schutzschrift, die die Gerichte davon abhalten soll, allzu eilfertig in dieser Frage zu entscheiden. Trotzdem ist der Ausgang offen. Auch wenn das Muffatteam äußerst entschlossen ist, die bereits zu den Berliner Festwochen eingeladene Aufführung gegen alle Widerstände zu zeigen. Denn Zensur ist einfach nicht drin.