
Was er eigentlich ist, lässt er offen. Aktionist? Maler? Fotograf? Vermutlich von allem etwas, gepaart mit einem großen Schuss Provokation. Jahrelang stand Helnwein für Skandal. Schockierende Bühnenbilder, Brutalo-Werke auf einem Cover der Hardrockband „Rammstein”, häufige Zusammenarbeit mit dem Pop-Provokateur Marilyn Manson. Wenn es um Helnwein ging, ging es nie um Stromlinien.
Und dann immer wieder diese Gerüchte. Vor acht Jahren, als der bekennende Donaldist Helnwein an gleicher Stelle eine Duck-Ausstellung eröffnete, eskalierte ein langjähriger Streit. Unterstellungen wurden damals laut. Der Künstler wurde zum Politikum. Aber Helnwein kämpfte sich erfolgreich durch alle juristischen Instanzen und bekam schließlich vor dem Bundesverfassungsgericht Recht – und seitdem lässt man ihn auch in Ruhe.
Gestern natürlich nicht. Er war dicht umdrängt, der Mann mit Sonnenbrille und Piratentuch. Mehr als 600 Besucher kamen zur Eröffnung der Ausstellung „Beautiful Children”. Am nächsten kam ihm eine langjährige Freundin, die Urgrüne und Theologin Antje Vollmer (61). Die Bundestagsvizepräsidentin hatte Helnwein all die Jahre den Rücken gestärkt, bereits seit 1988 kennen sie sich. Damals schuf der Künstler in Köln in Erinnerung an die Reichsprogromnacht die 100 Meter lange Installation „Neunter November Nacht”.
Helnwein wirkt ausgeglichen und sympathisch, wenn er darüber spricht, dass ein Kind, das Symbol für Verletzlichkeit sei, er das Thema Unschuld und Missbrauch in den Mittelpunkt seiner Schaffenskraft rücke. Der in Wien geborene Adolf-Grimme-Preisträger kam vor 20 Jahren nach Deutschland und hielt es hier bis 1997 aus. Damals siedelte er nach Irland über. Dort und in Los Angeles sei nun sein Lebensmittelpunkt, was die Lebensfreude anbetrifft, scheint im das Irische jedoch ungleich näher. Am Sonnabend in Hannover angekommen, ging es ins „Irish Harp.”
Sonntagmorgen war alles überstanden, und Helnwein begrüßte eine bunt gewürfelte Schar von Liebhabern seiner Kunst. Zum Beispiel den Scorpions-Sänger Klaus Meine (56), für den Helnwein mal ein Plattencover schuf, den frühere Siemens-Chef Hermann Hastedt (64) oder Radio-21-Chefin Nora Köhler (42). Wer halt nicht hereinkam, waren Altin Lala und Kollegen. Wie gesagt, eine andere Liga.
(Auszug)
Die Ausstellung „Beautiful Children” ist im Wilhelm-Busch-Museum dienstags bis freitags von 11 bis 17 Uhr, an Wochenenden und feiertags von 11 bis 18 Uhr zu sehen.
