Wer Helnweins nicht gerade für die Wohnzimmeridylle gemalte Welt kennt, kann sich die ratlose (und beabsichtigte) Verunsicherung der Passanten bei der "Public-Action" vorstellen. Doch bald herrschte wieder Konsumentenfröhlichkeit und Nach-der-Arbeit-Stimmung, der Spuk verbunener Kinderköpfe trollte sich wieder, und die kleinen Statisten des Verunsicherungsspiel wurden zur Ausstellungseröffnung feierlich von Pflaster und Mullbinden befreit.
Treibt Helnwein billige Scherze mit berechtigtem Entsetzen? - Das wäre zu einfach. Dem Penibel-Maler ist es mit seinen psychisch-sozialen Verunsicherungsanliegen wesentlich ernster, die Peinlichkeit des "Betroffenseins" ist psychisches Ziel, die minuzlöse Darstellungsweise des Arzt-sohnes und "Medizinalschockers" nur äußerst gut wirkendes Mittel zum Zweck: Oder wird nicht viel "korrigiert" an unserer eigenen und an der Entwicklung unserer Kinder, physisch oder psychisch, spürbar oder unbewußt, beabsichtigt oder scheinbar beiläufig - so wie an Helnweins gezeichneten Kindern viel "korrigiert" wird, so wie an Helnweins "Tochter des Schlurfs" die blanke Gewalt ungestraft bleibt, selbstverständlich recht und Oberhand behält.
Helnweins Bilder sind nicht (nur) "grauslich schön" oder "schön grauslich", sondern in erster Linie zum Überdenken. Die Gefahr einer "Korrektur" lauert überall...