March 17th, 2006
Oberösterreichische Nachrichten
Irland - Michel Houellebecq und Gottfried Helnwein
Insel für Dichter und Denker
Nicht nur einheimische Stars wie U2 haben vom weltweit einmaligen Modell profitiert. Auch kreative Ausländer wie Michel Houellebecq oder Gottfried Helnwein suchten Unterschlupf auf einer Insel, die nicht nur der Seele, sondern auch dem Konto gut tut.

Besucher aus Deutschland nähern sich Irland gern mit einem Buch aus den Fünfzigern. In seinem "Irischen Tagebuch" porträtierte Heinrich Böll eine sanfte Insel am Rande Europas, deren Eingeborene sich mit Witz und Humor der Nachstellungen von Kirche und Staat erwehren. Das kleine Bauernhaus, in dem der Nobelpreisträger mehr als 30 Jahre seinen Urlaub verbrachte, existiert noch. Und auch im dritten Jahrtausend gilt die grüne Insel als Oase für Dichter und Denker. Zuweilen hat das durchaus handfeste Gründe: Künstler zahlen in Irland keine Steuern, was gern als Beispiel für die unkonventionelle Denkweise des "keltischen Tigers" angeführt wird.

Steuer erst ab 250.000 Euro pro Jahr

Wer vom Finanzamt als kreativer Kopf anerkannt wird, sei es im Bereich Literatur, bildende Kunst oder Musik, muss von seinen Gagen nicht einen einzigen Cent abführen. So heißt es in einem Gesetz, das einst die Abwanderung der Intellektuellen stoppen sollte. Im Boom des neuen Jahrtausends und einem Irland, dessen Bevölkerungszahl stetig steigt, schien die großzügige Regelung ein wenig überholt. Man einigte sich also kürzlich auf Überarbeitung und Deckelung. Wer mit seinem Werk mehr als 250.000 Euro pro Jahr verdient, wird in Zukunft zur Kasse gebeten. Viel Steuerpflichtige gibt es nicht. Ihre Zahl wird auf etwa drei Dutzend geschätzt.

Nicht nur U2 profitierten

Nicht nur einheimische Stars wie U2 haben vom weltweit einmaligen Modell profitiert. Auch kreative Ausländer wie Michel Houellebecq oder Gottfried Helnwein suchten Unterschlupf auf einer Insel, die nicht nur der Seele, sondern auch dem Konto gut tut.