Bonn - «Der Ring des Nibelungen» in der Version des Choreografen Johann Kresnik in der Bonner Oper wiegt ebenso schwer, wie der riesige, goldene LKW-Reifen, der ihn symbolisieren soll.
An ihm hatten am Sonntagabend bei der Uraufführung der jüngsten Produktion des Bühnenberserkers Kresnik alle Protagonisten und auch wohl die meisten Zuschauer arg zu schleppen. In nur knapp 100 Minuten unternimmt das Choreografische Tanztheater den Versuch, «Das Rheingold/Die Walküre» als ewiges Spiel um die Macht und den Tanz ums Goldene Kalb auf die meist düster-dunkle Bühne zu heben.
Gewichtig kommt die Inszenierung daher, zumal Kresnik neben Wotan, Alberich und den drei Rheintöchtern auch deren Schöpfer Richard Wagner in den Mittelpunkt seiner Produktion stellt. Am Ende gab es dennoch reichlich Applaus für die sich wälzenden, windenden und torkelnden Tänzerinnen und Tänzern - und auch für den durch seine seine maßlosen Schöpfungen bekannten Kresnik. Beifall bekam das Bühnenbild, das Österreichs Schockmaler Gottfried Helnwein mit reichlich spritzendem Theaterblut, viel Flammen und jeder Menge an SS-Männer erinnernden Kriegern in Szene gesetzt hat.
ndes: Der Bonner «Ring» in Kresniks Interpretation bleibt schwer verständlich. Nur wirklich eingefleischte Wagnerianer, Nibelungen- Experten und Kresnik-Fans sind wohl in der Lage, die Bilder zu deuten, die vor allem eins, nämlich arge Beklemmung, auslösen.
Die Rheintöchter sind blond und nackt. Alberich steckt in einer riesigen Uniformjacke und entmannt sich selbst mit einem gewaltigen Schwert, nachdem er die Rheintöchter umgarnt und ihnen den Ring entrissen hat. Die Burg Wallhall hat Helnwein mal mit brennenden Öfen, mal mit Lazarett-Betten bestückt, die Riesen Fafner und Fasolt sind besetzt wie «Dick und Doof». Bayernkönig Ludwig II. zerkaut anfangs - von Wagner besessen - dessen Notenblätter, lässt sich vom Meister den Gold-Schmuck von Füssen und Händen lutschen. Im Trio mit Wotan spielen sich die Machtbesessenen die Welt als riesigen Ball zu.
An der Schnittstelle von «Rheingold» und «Walküre» erscheint eine lange, schwarz-weiße Filmsequenz. Sie zeigt, wie sich Repräsentanten politischer und wirtschaftlicher Macht gestern wie heute mit der Nähe zu Wagner schmücken: Hitler, Adenauer, Strauß, Stoiber, Angela Merkel oder Ron Sommer machen dem Festspielhaus in Bayreuth ihre Aufwartung. Die Fortsetzung zu diesem ersten «Ring»-Teil folgt in der nächsten Spielzeit 2007/2008 mit «Siegfried» und «Götterdämmerung», die Kresnik ebenfalls in knapp zwei Stunden abarbeiten will.
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(dpa)