Das Interview fand im Dezember 2005 im Domcafe in Köln statt, und war war ürsprünglich für die Weltwoche (Zürich) geplant, wurde aber dann nicht veröffentlicht.
Auszüge:
Für ihre Kunst, oder für Ihre Haltung zu philosophischen Themen werden Sie ja immer wieder gescholten. Sie nehmen ja sozusagen bewusst in Kauf ein Outlaw zu sein.
Helnwein: Ich glaube dass Künstler immer Aussenseiter sind, weil jede Form von Kreativität eine Provokation für die bürgerliche Gesellschaft darstellt. Das ist eigentlich immer so gewesen. Bei meiner ersten Ausstellung im Wiener Künstlerhaus habe ich meine Aquarelle von verwundeten Kindern ausgestellt. Und als ich nach einigen Tagen in die Ausstellung kam, waren alle meine Bilder mit kleinen Stickern beklebt auf denen Entartete Kunst“ stand.
So ein Gespräch macht Sie im Speziellen zum Künstler und Außenseiter, der das liefert, was wir sozusagen als Parasiten alle empfangen dürfen ohne je einen Pinselstrich geführt zu haben.
Helnwein: Eher als Symbionten. Für mich ist das Publikum wesentlicher Bestandteil meiner kunstlerischen Existenz.
Wenn Sie getrieben sind nach immer mehr, gibt es da ein Gefühl des Erreichbaren, das Sie erreicht haben?
Helnwein: Ich habe eigentlich nie das Gefühl wirklich etwas erreicht zu haben, ich denke immer, ich habe noch alles vor mir.
Also je mehr Sie erreichen, desto weniger haben Sie das Gefühl, etwas erreicht zu haben?
Helnwein: Ich glaube es ist eine Bewegung in eine bestimmte Richtung . Und diese Dynamik sich weiter zu bewegen ist vielleicht das Geheimnis der Existenz. Das Prinzip des Lebens ist wohl ein dynamisches Prinzip. Takuan, ein Zen-Meister des 13ten Jahrhunderts hat gesagt: Der Geist muss immer in Bewegung sein, der einzige Fehler, den er machen kann ist, irgendwo stille zu stehen, innezuhalten oder sich irgenwo festzuhalten.