
Hanoch Levin ist 1999 relativ jung gestorben, am Anfang seiner Laufbahn galt er als exzentrischer Provokateur, jetzt wird er als Israels bedeutendster Dramatiker verehrt. Sein spätes Stück von dem aus seinem Traum gerissenen Kind wurde vor 17 Jahren aufgeführt, schon damals fiel auf, dass der Text sich für ein Opern-Libretto eignen würde. Und jetzt gibt es diese Oper wirklich, mit der Auftrags-Musik des erst 35-jährigen Komponisten-Wunderkinds Gil Schochat, mit Israels führendem Theaterregisseur Omri Nitzan und mit 20 israelischen Solo-Sängern, natürlich in hebräischer Sprache. Besonders prägend für die Aufführung sind Bühnenbild und Kostüme, und dafür war nur einer in Frage gekommen, sagt Operndirektorin Chana Munitz:
"Im Moment, als die Idee entstand, diese Produktion zu machen, und davon die Rede war, einen Designer zu suchen, war die erste Idee in meinem Kopf Gottfried Helnwein - das war so natürlich, das war, als wäre er erfunden für dieses Projekt."
Den Hintergrund der ersten Szene bildet das monumentale Gesicht eines schlafenden Kindes. Es ist eine lange Videoaufnahme, wirkt aber wie ein Helnwein-Aquarell. "Das Kind" ist ein Symbol für Reinheit und Zukunftshoffnung, doch es wird von korrupten, gnadenlosen Erwachsenen um sein Leben betrogen. Die Handlung ist die einer universellen Flüchtlingstragödie mit visuellen Hinweisen auf die Zeit des Holocaust, zugleich ist sie eine Metapher für den Lebensweg aus der naiven Kindheit in ein Gelobtes Land, das eine öde Insel ist.
In Helnweins beklemmendem Schlussbild hängen echte Kinder, in blutige Bandagen gehüllt, zappelnd über der Bühne: "Worauf das Ganze hinarbeitet, ist dann ein Berg von toten Kindern, die immer noch auf die Erlösung warten - ein großer unendlicher schwarzer Raum mit unendlich vielen Kindern, die in diesem Raum festhängen, und wo immer Sie hinsehen, es sind Kinder, Kinder, Kinder, tote Kinder, und die flüstern zueinander und reden, in dem Fall werden sie singen, weil es eine Oper ist, und erinnern sich an die Zeit, wo sie noch gelebt haben, erinnern sich, was ihnen alles versprochen wurde, man merkt die Hoffnung ist immer noch nicht weg."
Die Oper sei deswegen so aktuell, sagt Helnwein, weil Kinder in den Konflikten immer noch die ersten seien, die draufzahlen.
