Ich kann mich ganz genau an diesen Moment erinnern. Ich saß am Flussufer der Salzach, als ich zum ersten Mal eine Biographie des Künstlers in der Hand hielt. Ich begann sie zu lesen und es dauerte keine zehn Sekunden, bis ich von seinem aufregenden Leben gefesselt war. Am nächsten Tag recherchierte ich genauer im Internet und sah mir zahlreiche Bilder von Gottfried Helnwein an. Sehr schnell war mir klar, das ist mein Künstler, nach ihm war ich auf der Suche. Somit änderte sich auch mein Thema, im Mittelpunkt meiner Arbeit stand nicht mehr länger Fotorealismus sondern Gottfried Helnwein. Meine Begeisterung für den Künstler gipfelte zunächst bei einer Reise nach Prag als ich die Möglichkeit hatte, Helnwein's Bilder im Original zu sehen.
Im Museum Rudolfinum wurden zahlreiche Werke unter dem Titel „Angels Sleeping“ ausgestellt. Es war in der Tat ein unbeschreibliches Erlebnis, so dass es mir schwer fällt diese Erfahrung in Worte zu fassen. Bislang kannte ich die Werke des Künstlers nur aus Büchern und dem Internet. Aber als ich diese riesigen Gemälde und Fotografien im Original sah, war ich buchstäblich sprachlos und überwältigt. Überwältigt vor allem von der Bildwirkung, der Klarheit seiner Botschaft und der Bedeutung für mich persönlich. Bei manch anderen Künstlern fällt es mir schwer, Bildinhalt und Künstler zu verstehen, beim Anblick von Helnwein's Bildern war ich zu Tränen gerührt, weil mich die Bilder so ergriffen und ich die Angst, Verletztheit und all diese schrecklich dargestellten Gefühle auch selbst kenne.
Zu Schulbeginn habe ich dann nochmals mit Herrn Prof. Stadlhuber die Verlegung des Schwerpunktes meiner Arbeit von Fotorealismus zu Gottfried Helnwein besprochen, er war mit meiner Entscheidung einverstanden. In dieser Zeit entstand auch der eigentliche Titel meiner Arbeit: Gottfried Helnwein mit der Fragestellung Warum malt jemand fotorealistisch obwohl es die Fotografie gibt?
Den weiteren Verlauf meiner Arbeit kann ich als sehr unproblematisch bezeichnen, ich bin bei meiner selbstständigen Arbeit auf keine größeren Schwierigkeiten gestoßen und bin stets mit neuen Anregungen seitens meines Professors bedient worden.
Eine besondere Arbeitshilfe war mir vor allem der Ausstellungskatalog „Helnwein“, der anlässlich einer Retrospektive des Künstlers 1997 im Museum Ludwig in Moskau veröffentlicht wurde. Ein sehr komplexes Werk, das alle bis dato vorhandenen Informationen und Werke des Künstlers kompakt zusammenfasste. Sehr hilfreich waren auch die Recherchen in der Bibliothek des Lentos Mu-
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seums in Linz, welche über eine große Anzahl von Ausstellungskatalogen und Presseberichten verfügte und natürlich auch die offizielle Homepage des Künstlers, die auch auf zahlreiche andere hilfreiche Links verwies.
Zum Schluss war mir vor allem aber auch der Künstler selbst eine große Hilfe und Anstoß neuer Inspiration. In den Weihnachtsferien habe ich ein E-Mail an Gottfried Helnwein verfasst, indem ich dem Künstler drei, für mich interessante Fragen stellte (siehe E-Mailverkehr im Anhang).
Ich habe zwar erwartet, dass ein vielbeschäftigter Künstler wie Gottfried Helnwein, kaum Zeit finden würde, meine Fragen zu beantworten, aber insgeheim hoffte ich doch, eine Antwort zu erhalten.
So geschah es auch und ich danke Gottfried Helnwein an dieser Stelle nochmals, dass er sich die Zeit nahm, sich mit meinen Fragen ausführlich zu beschäftigen. Dies war mir nicht nur eine große Hilfe, ich habe mich auch wahnsinnig darüber gefreut, dass er sich für meine Arbeit interessiert und mich auch darum gebeten hat sie ihm zuschicken, sodass er sie lesen kann!
Die Antworten auf mein E-Mail und die darin gestellten Fragen, waren neben dem Ausstellungsbesuch in Prag sicherlich das Highlight meiner Arbeit. Für mich war seine Reaktion nochmals eine Bestätigung dafür, dass er nicht nur ein großartiger Künstler sondern auch ein wahnsinnig toller Mensch ist, der sich sogar die Mühe macht, einer Schülerin persönlich zu antworten, während andere Künstler bestenfalls ihre Sekretärinnen antworten lassen oder erst gar nicht reagieren.
Insgesamt betrachtet, hat es wirklich sehr viel Spaß gemacht, eine Fachbereichsarbeit über einen so großartigen Künstler zu schreiben, ich habe in dieser sehr intensiven Zeit sehr viel dazu gelernt.
Inhaltsverzeichnis
Erklärung 4
Vorwort 5
Einleitung 6
Abstract 9
1. Fotorealismus
1.1 Geschichte und Entwicklung 10
1.2 Fotorealistische Motive 13
1.3 Fotorealistische Technik 13
1.4 Fotorealistische Plastik 15
1.5 Vertreter des Fotorealismus 18
2. Gottfried Helnwein
2.1 Darf Kunst alles? 19
2.2 Biographie 22
2.2.1. Zwischen Himmel und Hölle 22
2.2.2. Enfant terrible 25
2.2.3. Die Wiener Haberer 26
2.2.4. Zwischen zwei Kontinenten 28
2.3 Werke
2.3.1. Selbstbildnisse 31 s
2.3.2. Zeichnungen und Aquarelle 33
2.3.3. Fotografien und Bühnenbilder 37
2.3.4. Öffentliche Kunst und Tryptichen 41
2.4 Schlafende Engel in Prag 44
2.5 Stil & Botschaft 45
3. Fotorealismus: Bloße Nachahmung oder doch künstlerische Interpretation? 47
4. Zusammenfassung 52
Literaturverzeichnis 55
Abbildungsverzeichnis 57
Anhang
• Weitere Vertreter des Fotorealismus
• Werdegang von Gottfried Helnwein
• E-Mailverkehr mit Gottfried Helnwein

Fotorealismus - Warum malt jemand fotorealistisch obwohl es die Fotografie gibt?
Fachbereichsarbeit aus Bildnerische Erziehung
Vorgelegt bei Herrn Professor Siegfried Stadlhuber
Susi Wiesenegger, Bundesgymnasium Salzburg- Nonntal Schuljahr 2008 / 2009
Vollständiger Text: