
Der weltberühmte Maler Gottfried Helnwein, der gerade 70 Jahre alt geworden ist, spricht im „Krone“-Interview über sein Bühnenbild für „Macbeth“. Am Samstag hat das aus dem Jahr 1988 rekonstruierte Tanz-Drama von Hans Kresnik im Musiktheater Premiere. Helnwein sorgte kürzlich durch die Verhüllung des Wiener Ringturms für Furore.
"Macbeth" hat Ihre Zusammenarbeit mit Hans Kresnik gestartet.
Welche Bedeutung nimmt die langjährige Zusammenarbeit in Ihrem künstlerischen Gesamtwerk ein?
Ich war ursprünglich eigentlich an Bühnenbildern nicht interessiert. Peter Zadek hat mich mehrmals gefragt, ob ich die Ausstattung für seine Stücke übernehmen würde, aber ich habe immer abgelehnt. Mit Hans Kresnik war das ganz anders, er hat mir angeboten meine eigenes künstlerisches Anliegen und meine Bilder in die Bühnenstücke einzubringen und ich habe gesehen, dass sein radikales Herangehen in seiner Arbeit sehr meinen eigenen Intentionen entsprochen hat.
Durch meine Arbeiten für die Bühne und vor allem Hans Kresnik’s choreografisches Theater, habe ich begonnen Raum und Bewegung in meine Arbeit mit einzubeziehen.
Was sind bis heute die stärksten Symbole der damaligen Inszenierung, die (auch) im Bühnenbild zum Ausdruck kommen?
Es gibt nur drei Farben auf der Bühne: Schwarz, Weiss und Rot.
Die wenigen wesentlichen Elemente sind ein blendend weisser, steriler, antiseptischer Raum, ein gewaltiges eisernes Tor, das an die Türen der Verbrennungsöfen von Auschwitz erinnert, schwarzer Schlacke, Blut, Bandagen, Uniformen und Chirurgische Instrumente. Und eine überdimensionale Puppenstube, in der Macbeth die Kinder seines Konkurrenten MacDuff ermorden lässt.
Wo wird die Rekonstruktion für das Landestheater Linz auf Aktualität verweisen können? Gibt es Neues dabei?
Da ich zur Zeit der Vorbereitung in den USA war, konnte ich die Arbeit an dieser Fassung nur per Skype unterstützen. Die Linzer Inszenierung hält sich, soweit ich weiss, ziemlich genau an die ursprüngliche Fassung von 1988.
Damals 1988 gab man Ihnen das Etikett "Schockmaler". Welches würde heute passen?
Ich habe mich nie darum gekümmert, welches Etikett mir irgendjemand verpasst. Mit meiner Arbeit und meinem Leben hat das ja wenig zu tun.
Sie sind immer wieder - zuletzt durch die Ringturm-Verhüllung - in Österreich präsent. Kommen Sie gerne her?
Je länger und je weiter ich weg war von Österreich, desto mehr habe ich die Qualitäten dieses Landes erkannt, und mir ist bewusst geworden, wie sehr meine Arbeit in der österreichischen Kunst- und Kulturtradition verwurzelt ist. Es ist eine sentimentale, leidenschaftliche, und manchmal schmerzhafte Liebe zu diesem eigenartigen und wunderbaren kleinen Land.
Ja, ich komme gerne hierher.
Was fällt Ihnen zuerst ein, wenn Sie an Österreich heute denken? (mit dem Blick von Außen sozusagen)
Wie aktuell Shakespeare’s Drama von diesem König, der von seiner Machtgier in den Wahnsinn getrieben wird, auch heute noch ist, sehen wir, wenn wir an den Macbeth denken, der gerade im Weissen Haus sitzt. Nachdem das Anglo-Amerikanische Imperium grosse Teile der sogenannten Dritten Welt durch Massenbombardements verwüstet hat, wurde das Militärbudget der Nato nun auf über 1 Billion aufgestockt. Wozu? Um die Welt vor Putin zu schützen, der seine Rüstungsausgaben gerade auf 60 Milliarden gesenkt hat?
Das grosse Glück für Österreich ist, dass uns der Staatsvertrag zu immer währender Neutralität verpflichtet, und uns davor schützt in diesen Aufrüstungswahnsinn hineingezwungen zu werden.
Wir haben damit die historische Chance in einer Zeit der immer grösser werdenden Konfrontation zwischen Ost und West, vielleicht die letzte Brücke der Verständigung zu sein.
