Die Malerei ist tot. Es lebe die Malerei. Zu einem Triumph der Malerei gestaltete sich die brillant von Beate Reifenscheid inszenierte Ausstellung von Gottfried Helnwein im Ludwig Museum Koblenz. Die Nachfrage ist entsprechend. Die Dauer der Ausstellung nur noch begrenzt.
Seit Januar musste ihre Eröffnung mehrfach aus bekannten Gründen verschoben werden. Die erste Auflage des Kataloges ist ausverkauft, in dem Beate und ich uns aus ganz unterschiedlichen Perspektven dem Werk des Künstlers genähert haben.
Die Ausstellung, die überwiegend aus mittel- und großformatigen Leinwänden besteht, hebt sonor in dunklem Grau und Blau an, Helweins klarer Blick zurück in die deutsche Geschichte mit dem berühmten Gemälde des Dialog eines freundlichen lächelnden Hitler - in den Fotografien, die in lächelnd zeigen wollen, erscheint stets eine merkwürdige Grimasse - mit dem zähnefletschenden Mickey vor der Kulisse einer kriegszerstörten Großstadtstrasse und vielen anderen Bildern, die einem, je länger man sich in sie vertieft, eine Gänsehaut bescheren. Sie endet im kräftigen Rot der Explosionen und Katastrophen, die Menschen wie Papierschnitzel in die Luft blasen. Helnweins Apokalypse.
Ich hätte mich geärgert, wenn ich diese fabelhafte und fabelhaft kuratierte Ausstellung nicht gesehen hätte. Was sich auf den Bildern tut, ersieht, erfühlt und erkennt man - alles zugleich - vor und in Korrespondenz mit ihnen. Helnwein transzendiert die Motive und das Medium, das er in Anschlag bringt, er überschreitet das eine wie das andere und überführt es in ein beunruhigendes Osziliieren. Nicht einen Hauch von Illustration, die mir angeblich engagierte Malerei so abstoßend macht.
Viele der Bildkniffe, die der Künstler einsetzt, sind fotografischen Ursprungs. Doch seine Malerei ist weit entfernt von jedem Fotorealismus. Denn die Farben der Fotografie sind nicht die Farben der Malerei. Sie unterscheiden sich in puncto Ausstrahlung und Charakter beträchtlich. Evident wird dies in den fotografischen Reproduktionen seiner Bilder. Dann scheinen die Gemälde ins Reich der Fotografie zu fallen. Von Angesicht zu Angesicht entfalten sie sich dagegen als hinreißende Malerei von einzigartigem Rang. Nichts als Malerei, keine Anti-Malerei, keine Neue-Malerei, Malerei auf der Höhe der Zeit und ihrer Bildmedien.
