February 2nd, 2024
OberÖsterreichische Nachrichten
"Helnwein zeigt, wohin Hass, Spaltung und Gewalt führen können"
Von Gabriel Egger
Nach teils aggressiver Kritik an den Kunstinstallationen an Rathaus und Stadttheater in Gmunden nimmt Bürgermeister Stellung.





Gottfried Helnwein hat geschafft, wofür er nach Gmunden gekommen war: Seine Werke sind in aller Munde. Die Worte, die dafür gefunden werden, schaffen es allerdings nur selten über die Gürtellinie. Zumindest dort, wo die Aufregung am größten ist: in den sozialen Medien.

Zwei sich küssende Mädchen auf dem Gmundner Rathaus, ein Kind in SS-Uniform am Stadttheater, und gleich ums Eck lächelt ein blutverschmiertes Kind mit halb geöffneten Augen: keine leichte Kost für den öffentlichen Raum. Es gehört aber zu Helnweins Strategie, es dem Betrachter unmöglich zu machen, sich zu dessen Werken neutral zu verhalten. Die Kritik ist groß, sogar Demonstrationen vor dem Rathaus wurden bereits vorgeschlagen. Kinder würden verstört, Pädophile animiert werden, heißt es in der virtuellen Welt. Das geht auch an Gmundens Bürgermeister Stefan Krapf und Kulturreferent Andreas Hecht (beide VP) nicht spurlos vorbei. am Donnerstagabend bezogen sie zu den Vorwürfen ausführlich Stellung.


"Es ist uns wichtig, mit Nachdruck zu betonen, dass jede Meinung legitim ist, ihre Berechtigung hat und auch zu akzeptieren ist. Der Beschluss für das Projekt wurde von allen im Gemeinderat vertretenen Personen einstimmig gefasst – im Wissen, dass die Werke polarisieren, teilweise verstören und heftige emotionale Reaktionen auslösen", sagen Krapf und Hecht. Der Künstler spreche aber offen und schonungslos Themen an, die wir Menschen gerne verdrängen. Wenn man die gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen in Österreich ehrlich und objektiv betrachte, so müsse man in aller Deutlichkeit erkennen, dass Radikalismus, verschiedene Formen von Extremismus, subtile Gewalt und Intoleranz einen sehr breiten, mittlerweile besorgniserregenden Raum einnehmen.


"Helnwein zeigt, wohin Hass, Spaltung und Gewalt führen können und dass davon auch Kinder betroffen sind", sagt Krapf. Gerade Kinder seien in der virtuellen Welt täglich mit schockierenden und verstörenden Bildern konfrontiert. Die Exponate im öffentlichen Raum seien nun eine Chance, diese sensiblen Themen in aller Offenheit anzusprechen und an die Oberfläche zu bringen.