February 2nd, 2024
OberÖsterreichisches Volksblatt
Ziel der Bilder, aufzuregen und aufzuwecken, wurde erreicht
Heinz Wernitznig
Helnwein-Kinderporträts auf Hausfassaden in Gmunden spalten die Traunseestadt
In Gmunden erregt seit Anfang der Woche seine provokante Kunst in Form von übergroßen Bildern an Fassaden von Häusern — etwa dem Rathaus — die Gemüter. Stein des Anstoßes sind ein Bild von zwei sich küssenden Mädchen sowie jenes, das ein blutverschmiertes Mädchen zeigt.



Wenn „Schockmaler“ Gottfried Helnwein seine Werke ausstellt, strömen Menschen in Museen, die normalerweise um Bildende Kunst einen großen Bogen machen. Denn der 75-jährige gebürtige Wiener hat sich bereits in den 1970er-Jahren durch seine hyperrealistischen Bilder von verwundeten und bandagierten Kindern international einen Namen gemacht.

In Gmunden erregt seit Anfang der Woche seine provokante Kunst in Form von übergroßen Bildern an Fassaden von Häusern — etwa dem Rathaus — die Gemüter. Stein des Anstoßes sind ein Bild von zwei sich küssenden Mädchen sowie jenes, das ein blutverschmiertes Mädchen zeigt.

Viele Gäste haben kein Problem mit Darstellungen

„Mehr als die Hälfte unserer Gäste hat kein Problem mit den Darstellungen“, meint Michael Nöstlinger, Chef des Hotel Schwan in der Traunseestadt, das sich direkt gegenüber dem Rathaus befindet. Wie der Hotelier im Gespräch mit dem VOLKSBLATT erläutert, sollen die Bilder aufregen und aufwecken. Dieses Ziel habe man erreicht. Die Werke eines weltweit bekannten Malers seien eine gute Werbung für Gmunden, auch wenn der eine oder andere mit den Darstellungen nichts anfangen könne, so Nöstlinger.

Ins selbe Horn stößt Tourismusdirektor Andreas Murray. „Kunst und Kultur dürfem polarisieren, man muss nicht mit allem einverstanden sein“, betont er gegenüber dem VOLKSBLATT. Die Diskussion um die Bilder erregt viel Aufmerksamkeit, die mediale Präsenz ist groß, was für Gmunden positiv sei.

Die Botschaft ist für Murray, dass die Traunseestadt weltoffen sei und man auf Dinge schaue, die gewesen sind. „Das passt dem einen, dem anderen aber nicht.“ Wenn man mit derartigen Aktionen die Menschen zum Nachdenken anrege, ist aus Sicht des Touristikers bereits viel erreicht.

FPÖ: Blutendes Mädchen sofort abnehmen

Völlig anders sieht dies die FPÖ Gmunden, die zwar im zuständigen Ausschuss des Gemeindesrates der Auftragsvergabe zugestimmt hat, nun aber das Projekt in Frage stellt. Damals seien nicht alle Fakten auf dem Tisch gelegen, weshalb man jetzt in einer Anfrage an den Bürgermeister Auskunft über Kosten und andere Dinge verlange, so Obmann Dominik Porstendörfer.

Die FPÖ bezweifle, dass der „Pudertanz“ in Bad Ischl und die Helnwein-Bilder in Gmunden die Kultur des Salzkammergutes widerspiegeln. „Müssen wir in Zeiten, in denen Kriege wüten, blutende Mädchen zeigen und damit die Bevölkerung in Aufregung versetzen?“, verlangt er gegenüber dem VOLKSBLATT die sofortige Entfernung des Bildes.

Das kommt für Bürgermeister Stefan Krapf von der ÖVP aber nicht in Frage. Grundsätzlich verstehe er sowohl die Befürworter als auch die Gegner. „Die Bilder von Gottfried Helnwein führen zu Dialog und rütteln auf“, betont das Stadtoberhaupt im Gespräch mit dem VOLKSBLATT.

Es sei leider eine traurige Tatsache, dass viele Kinder zu Kriegsopfern werden. Helnwein greife genau diese Themen auf, weil sie gerne verdrängt werden. So gesehen sei die Polarisierung keine Überraschung, wenngleich Krapf die Aggressivität, mit denen manche Kritiker vorgehen, schockiert. Die Bilder werden laut dem Bürgermeister zumindest noch bis zum Frühling hängen bleiben.