Für heftige Reaktionen sorgen derzeit im oberösterreichischen Gmunden drei überdimensionale Bilder des hyperrealistischen Shock-Art-Künstlers Gottfried Helnwein. Der in Wien geborene und seit Jahrzehnten in Irland lebende Künstler gilt traditionell als Exzentriker.
Dazu kommt das Bild „Memory (Erinnerung)“, das zwei einander küssende Kinder zeigt. Alle Installationen stehen im Zusammenhang mit den „Festwochen Gmunden“ beziehungsweise damit verbundenen „Salzkammergut Festwochen“.

Schon bald war die Rede von „XXL-Gewaltdarstellungen“. In sozialen Medien war von „Verschandelung“ der Stadt die Rede. Die küssenden Mädchen erregten in den Augen von Nutzern „pädophile Fantasien“. Das Mauthausen Komitee Österreich (MKÖ) fragte sich, ob die Darstellung mit der Uniform „in Kauf [nimmt], die Symbolik eines Regimes von Massenmördern zu bagatellisieren“.
Helnwein selbst äußerte: „Meine Kunst fragt nicht, sie erklärt auch nicht. Meine Kunst ist ein Dialog.“ Wer sich mit seinem Werk befasst, weiß allerdings, dass eines seiner Leitthemen die Kindheit als unberührter Ort von Kreativität und Imagination ist. Deren Zerstörung durch Erziehungssysteme, die Kinder zu „gefügigen Staatsbürgern“ machen wollen, prangert er an. Nicht alle scheinen dieses Narrativ allerdings aus seinen Werken nachvollziehen zu können – weshalb die beschauliche Kleinstadt, ob der Bilder, tief gespalten ist.
Diese stehen jedoch erst 2027 wieder an, und bis dahin dürfte diese vergessen sein. Krapf hat für die Stadt jedoch große Ambitionen. Unter anderem will er im Viertel um den wenig ausgelasteten Seebahnhof nicht nur einen großen Hotelkomplex, sondern ein komplettes neues Stadtviertel entwickeln.
Der aus einer Fernsehserie der 1990er-Jahre herrührende Mythos vom „Schlosshotel Orth“ – tatsächlich hat es dort noch nie einen Hotelbetrieb gegeben – ist am Verblassen. Einen weltbekannten Künstler, wie Gottfried Helnwein in die Stadt zu bekommen, ist dabei ohne Zweifel ein potenzieller Schritt, um sie weit über die Landesgrenzen hinweg in Erinnerung zu rufen.
Für die FPÖ stellen die Werke eine „öffentlichen Zwangsbeglückung der Bevölkerung – finanziert mit Steuergeld“ dar. Rückendeckung bekam sie von der SPÖ und sogar der linksliberalen Partei NEOS. Der sozialdemokratische Stadtrat Dominik Gessert sah zwar eine Notwendigkeit, sich mit den auf den Bildern illustrierten Themen auseinanderzusetzen. Andererseits sollten „Kinder nicht mit solchen Bildern konfrontiert werden, da ich befürchte, dass sie Angst haben könnten“.
Der NEOS-Vertreter Philipp Wiatschka bemängelte, dass Helnwein die Stadt nicht im Vorfeld darüber informiert habe, welche Motive er zur Verfügung stellen würde. Es sei „nicht richtig, über die Provokation hier Medieninteresse zu schaffen“. ÖVP und Grüne erklärten jedoch, es sei wichtig, Themen, wie Helnwein sie in seinen Werken verarbeite, in die öffentliche Diskussion zu bringen.
Insgesamt soll die Gemeinde 14.000 Euro für Produktion und Montage bezahlt haben – das wäre etwa ein Euro pro Einwohner. Am Ende gab es keine Mehrheit für die Entfernung. Allerdings soll es künftig möglich sein, sich über einen dort angebrachten QR-Code über die Bedeutung der Werke zu informieren. Bis Ende April sollen sie noch zu sehen sein.
An diese richtete Helnwein die Aufforderung, sich – sollte es der Partei tatsächlich um sexuelle Gewalt gegen Kinder gehen – um Kinderpornos im Internet oder Missbrauch in Heimen und psychiatrischen Anstalten zu kümmern:
„Kunstwerke zu attackieren und versuchen, sie zu verbieten, mag zwar reizvoll sein, weil man sich dabei wichtig vorkommen kann, und vielleicht in die Medien kommt, aber helfen tut das wirklich niemandem. Just, don’t shoot the messenger.”
Bezüglich des Vorwurfs der Nazi-Verharmlosung verwies Helnwein auf die positive Beurteilung seiner Werke durch jüdische Journalisten und den 2005 verstorbenen Historiker und Rechercheur Simon Wiesenthal persönlich. Am Ende seines Schreibens äußert der Künstler:
„Bisher hat mich jedenfalls noch nie jemand der Nazi- oder Pädo-Propaganda bezichtigt, dazu mussten erst oberösterreichische FPÖler und eine Spinnerin aus Wien kommen, um das aufzudecken.“
Dabei tanzten nackte Darsteller zu einer Zeit, da sich auch noch Kinder auf den Straßen befanden, zu Musik von Vivaldi – und bestreuten einander mit weißem Puder. Detail am Rande: Im lokalen Dialekt weist der Begriff „Pudern“ eine eindeutig anzügliche Bedeutung auf.
Die am Attersee geborene Choreografin Doris Uhlich bestritt jedwede sexuelle Konnotation der Aufführung. Ihr zufolge gehe es bei dem Tanz darum, sogenannte Body Positivity zu vermitteln, also die Akzeptanz des Körpers unabhängig davon, ob er einem Schönheitsideal genüge.
Viele Festivalbesucher zeigten sich jedoch empört und sprachen von einer Blamage für die Region. Nach der Aufregung um den „Pudertanz“ dürfte bei vielen auch im 33 Kilometer entfernten Gmunden der Bedarf an künstlerischer Provokation gedeckt gewesen sein.