February 7th, 2024
Krone.tv
Helnweins schockierende Bilder - Diskussion über die Provokation der Kunst
„Duell“ auf krone.tv zwischen Eva Glawischnig und Andreas Mölzer
Eva Glawischnig: Wenn man sich mit der Kunst von Gottfried Helnwein auseinandersetzt, einem der wirklich international bedeutendsten österreichischen Künstler, der immer sehr offensiv Leid, Unrecht, Gewalt und Grausamkeiten an Kindern dargestellt hat, sieht man  dass er sich sich mit dem Thema intensiv beschäftigt, weil er nicht will, dass das unter den Tisch fällt.




Im aktuellen „Duell“ auf krone.tv zwischen Eva Glawischnig und Andreas Mölzer geht es unter anderem um die Frage, der Provokation in der Kunst, die derzeit gerade rund um das Salzkammergut stattfindet. Einerseits mit dem Pudertanz, wo sich tanzende nackte Menschen auf der Bühne gegenseitig mit Puder bestäuben, andererseits durch die schockierenden riesigen Kinderfotos, die Gottfried Helnwein auf Gebäuden in Gmunden aufbringen hat lassen.


Eva GlawischnigEhemalige Abgeordnete zum Nationalrat für die Grünen, Dritte Nationalratspräsidentin, Bundessprecherin und Klubobfrau der Grünen.
Andreas MölzerEhemaliger FPÖ-Europapolitiker



Moderator:
“In Gmunden wurden vor einigen Tagen schockierende Bilder gross affichiert, am Stadttheater, und im Zentrum der Stadt. Küssende Kinder, ein Kind, das liegt, blutüberströmt, in sehr sehr jungem Alter, das noch lächelt, aber offenbar schwer verletzt ist, und hier sehen Sie ein Kind in SS Uniform, eigentlich vollkommen denkunbar, das so etwas denkbar ist. Man will halt provozieren. Ist das schick, leidende, zerschundene, blutende kleinst-Kinder zu affichieren?”

Eva Glawischnig:
Wenn man sich mit der Kunst von Gottfried Helnwein auseinandersetzt, einem der wirklich bedeutendsten internationalen Künstler, der immer sehr offensiv Leid, Unrecht, Gewalt und Grausamkeiten an Kindern dargestellt hat, sieht man dass er sich sich mit dem Thema intensiv beschäftigt, weil er nicht will, dass das unter den Tisch fällt.
Er hat auch die Kinder am Spiegelgrund dargestellt, er hat ein Kind dargestellt, das in einen Napf sinkt, weil er noch einmal erzählen wollte, dass die dort oben vergiftet worden sind, dass das eine Art Euthanasie war, die niemand wahrgenommen hat. Bis in die 60er, 70er Jahre war das nicht aufgearbeitet.
Er ist in diesem Sinn ein Provokateur, der uns auf die Wunden unserer Gesellschaft und auch auf die Wunden unserer Geschichte wirklich sehr intensiv hinstösst. Ich kann verstehen, dass das extrem verstörend ist, aber das ist genau die Absicht. Er, möchte nicht, dass man da wegschaut, er möchte nicht, dass Leid, Unrecht, Gewalt, und Schmerzen von Kindern vergessen werden. Und er hat genau diesen Ort dafür genutzt”..
Andreas Mölzer:
“Der Hyperrealismus von Helnwein hat etwas für sich, es ist etwas wo man Themen aufs Auge gedrückt kriegt, wo Du einfach nicht wegschauen kannst.
Ich glaube das ist sinnvoll. Provokation als solche, alleine, sinnbefreit, bringt nichts. Bei Helnwein sehe ich es nicht sinnbefreit, da bringt es was.”

Moderator:

“Ein Kind in SS Uniformste auch eine Missachtung der Realität von damals, und das ist eine Vergewaltigung eines Kindes, das nur als Foto existiert. Das geht auch nicht”

Eva Glawischnig:
“Ich habe mich mit Helnwein als Künstler wirklich intensiv beschäftigt
und ich habe absolute Hochachtung vor ihm und seiner Geschichte. Er kommt aus
ärmsten Verhältnissen in Wien, und ist jetzt einer der bedeutendsten Künstler Österreichs.
Und er ist auch anerkannt in dem was er macht, und jeder versteht das auch. Es ist eine eingeführte Strasse der Information, die er hier anbietet. Schaut dorthin, kümmert Euch um das! Er will nicht, dass die Leute wegschauen, und das finde ich total legitim”.