January 1st, 2024
falstaff LIVING
art five - Gottfried Helnwein
Persönlichkeiten der Kunstszene verraten ihre Musthaves. Gottfried Helnwein zeigt uns seine Kunst-Favoriten,





Der Wanderer über dem Nebelmeer
oil on canvas
von Caspar David Friedrich (1774-1840)

Das Gemälde ist 1818 entstanden und wurde zur Ikone der deutschen Romantik.
Dieser Epoche der (Kunst-)Geschichte fühle ich mich zutiefst verbunden. Es war das letzte Aufbäumen einer ganzen Generation junger, rebellischer Künstler und Träumer, gegen den Ungeist der “Neue Zeit” des heraufdämmernden Materialismus, Kapitalismus, der Massen-Produktion, des globalen Konsumterrors. Es war der Aufstand gegen die zukünftige Diktatur einer seelenlosen Technokratischen Gesellschaft. Ein letzter Versuch durch Ästhetik, die Ideale und Träume der Menschheit zu retten, und wie Novalis daran zu glauben, dass die “Kunst die Wunden heilt, die der Verstand schlägt”






Der Gähner
ca. 1775, Bronze with black patina
Charakterkopf von Franz Xaver Messerschmidt (1736-1783)

Franz Xaver Messerschmidt ist einer der Giganten der österreichischen Kunst.
Ein Visionär, der in seiner Kompromisslosigkeit und Radikalität seiner Zeit weit voraus war. Mit seinen Charakterköpfen ist ihm der ultimative Befreiungsschlag gegen alle Regeln und Konventionen geglückt, was nur wenigen Künstler gelingt. Er ist heute aktueller denn je, ein grosser Inspirator vieler Generationen zeitgenössischer Künstler.






Riding Around
1969, oil on canvas
Philip Guston (1913-1980)

Philip Guston hat in seinem Leben viele Stile durchwandert und einige der besten abstrakten Bilder gemalt, die ich kenne. In seinem späteren Werk hat er eine radikale Wendung vollführt und angeregt durch die amerikanische Comic Kultur zu einer neuen Bildsprache von erschreckender Roheit und raffinierter Unbeholfenheit gefunden.
In geradezu kindlich anmutender Hartnäckigkeit, erzählt er in seltsam klobigen, comic-haften Metaphern immer wieder von der Banalität des Bösen und der Mediokrität der Gesellschaft des 20ten, des amerikanischen Jahrhunderts. The Blues became painting.






Das kranke Mädchen
Zeichnung, rote Version, 1896
Edvard Munch (1863-1944)

Es ist eigentlich das ewige Thema meiner eigenen Arbeiten, das kranke, verwundete, das beschädigte Kind, das blasse, anämische Mädchen, verletzlich, hilflos, und ausgeliefert. Mir fällt eigentlich kein Kunstwerk ein, das so viel Empathie in mir auslöst, wie diese Zeichnung von Edvard Munch. Am liebsten würde ich dieses zerbrechliche Geschöpf festhalten, es wärmen und es beschwören, nicht aufzugeben, nicht loszulassen, seinen Geist nicht auszuhauchen.






Donald Duck

Walt Disney (1901-1966) und Carl Barks (1901-2000)

Eines grauen Tages im Wien der Nachkriegszeit, öffnete ich als 5 Jähriger mein erstes Micky Maus Heft, und betrat damit zum ersten Mal heiligen Entenhausner Boden. Und hier traf ich den Mann, der mein Leben von Grund auf verändern, und meiner Existenz einen Sinn verleihen sollte: Donald Duck. Und obwohl er gar nicht aussieht wie ein Mensch, sondern eher an eine Ente erinnert, verkörpert er das Menschliche doch mehr als alle Werke der bildenden Kunst vor ihm. Es ist erstaunlich, daß dieser kleine künstliche Erpel ein so viel besserer Spiegel der menschlichen Seele ist. An ihm erkennen wir unsere Ängste, unsere Unsicherheiten und Schwächen, unsere Dummheiten und Eitelkeiten, unseren Neid und unsere Einfalt. Aber auch jene Starrköpfigkeit, mit der wir nach jeder Niederlage, nach jedem Scheitern wieder aufstehen und von neuem beginnen.









Gottfried Helnwein
1948 in Wien geboren, zählt zu den bekanntesten Künstlern der Gegenwart. Seine hyperrealistischen Werke polarisieren und kritisieren gleichermassen,