Wenn Ernst Hilger einen Raum betrat, spürte man sofort seine Energie, nicht dominant sondern mitreißend, voller Neugier, Tatendrang und Lust auf das Unbekannte. Am 26. Mai ist der Wiener Galerist völlig überraschend im Alter von 75 Jahren verstorben. Noch vor wenigen Tagen war er auf der Affordable Art Fair Vienna mit einem Stand vertreten und ganz in seinem Element, stets bestrebt, Menschen für Kunst zu begeistern.
Dabei war der Kunsthandel ursprünglich gar nicht sein Plan. Hilger studierte Betriebswirtschaft. Doch während des Studiums begann er, gemeinsam mit Freunden, preiswerte Grafiken von Kunststudierenden zu verlegen. Die Edition war ausschließlich für Studierende gedacht. 360 Schilling kostete eine Grafik von Arnulf Rainer, Alfred Hrdlicka oder Karl Korab. Die Schlange reichte bis auf die Straße hinaus. Was als Experiment begann, wurde schnell ein Erfolg und stellte unweigerlich die Weichen für sein weiteres Leben.
Seine ersten Begegnungen mit der Kunstszene verdankte er den Donnerstagabenden bei der Familie Infeld, wo er zum Kartenspielen eingeladen war. Mit am Tisch saßen Künstler wie Walter Navratil, Franz Ringel oder Peter Pongratz. Nach dem Kartenspiel zog die Truppe weiter ins Atrium, wo Gottfried Helnwein in der ersten Nachtgalerie mit seinen verstörenden Kinderporträts provozierte. Aus dieser frühen Lust auf Kunst entstand 1971 die Galerie Spectrum.
