Wie kommt einer wie Gottfried Helnwein auf die Idee? Er fiel in den letzten 20 Jahren zwar mit seinem Engagement für Kinder und seinen von so manchen als gar zu realistisch empfundenen Malereien und Aktionen auf, aber nicht gerade durch feministisches Engagement.
Wie meist, steckt auch hier eine Frau dahinter. Museumsbesucherin Alice Schwarzer ärgerte sich so lange und so laut über die Richter-Männer, daß der Protest irgendwann sogar bis in Helnweins Burg am Rhein drang (wo er mit Frau Renate und vier Kindern lebt). Dem für Zeitströme Offenen leuchtete die Sache spontan ein.
Er griff den Schwarzer-Vorschlag spontan auf, doch in exakt derselben Manier 48 weibliche Persönlichkeiten zu malen. Noch nicht einmal ein Jahr liegt zwischen Idee und Realisierung. Einziger Feiner Unterschied: die Frauenporträts von Helnwein sind - im Gegensatz zu den grauen Richter-Porträts -- rot. Rot wie das Leben. -- Bis zum 15. Dezember werden die "48 Frauen-Persönlichkeiten" in einer Kölner Galerie zu sehen sein. Die Chance, daß sie anschließend ins Ludwig-Museum kommen, scheint gar nicht so unrealistisch. Sammler Ludwig soll bereits Interesse bekundet haben.

Übrigens: Maler Helnwein hat kräftig auf die Tube gedrückt bei der Auswahl der 48. Die geht von der Sozialistin Rosa Luxemburg bis zur Sängerin Tina Turner, vor der Feministin Hedwig Dohm bis zur Mickey-Mouse-Übersetzerin Erika Fuchs.
