Kriegsszenen mit Comicfiguren - Helnwein zum 70.
10/06/2018
DPA
Kriegsszenen mit Comicfiguren - Helnwein zum 70.
Matthias Röder
Er lebt in Irland und den USA, seine Heimat Österreich liebt er. Den Zustand der Welt findet Gottfried Helnwein erschreckend.
Trump ist wirklich ein erstaunliches Phänomen. Es gibt keine Person, die weltweit so massiv bekämpft wird, wie er. Das Ganze artet mittlerweile zu einer totalen Massenhysterie aus. Alle tun so, als wäre die Welt bisher ganz in Ordnung gewesen, und als wäre erst mit Trump das Böse in die Welt gekommen. Ich frage dann gerne meine amerikanischen Freunde, wo wart Ihr denn die letzten Jahre? Als Bush Afghanistan und den Irak verwüstet und Millionen Tote hinterlassen hat? Als Cheney ganz offiziell die Folter wieder eingeführt hat. Wo wart Ihr, als der Friedensnobelpreisträger Obama mit seinem Drohnenprogramm Tausende, darunter viele Kinder töten ließ? Trump ist eigentlich so etwas wie ein Augenblick der Wahrheit. Er ist der amerikanischeste Präsident dieses Jahrhunderts, er ist der Präsident den dieses Land verdient hat. Er ist ein Spiegel in dem die Amerikaner sich selbst und den Zustand ihres Landes erkennen können. Er ist nicht das Problem, nur das Symptom.

Gottfried Helnwein: "Sehen, wo Menschen nicht mehr sehen"
06/17/2018
Kurier
Gottfried Helnwein: "Sehen, wo Menschen nicht mehr sehen"
Michael Huber
Der Künstler erklärt, warum er seine Verhüllung des Ringturms als Maßnahme gegen geistige Blindheit begreift.
Ich glaube, dass Verdrängungsmechanismen eine Schutzmaßnahme sind, weil die Menschen sonst zerbrechen würden, wenn sie sehen müssten, was sie in der Welt um sie herum alles anrichten. Man nimmt dann aber mit der Zeit immer weniger wahr, bis die Wahrnehmung so selektiv wird, dass man nur mehr sieht, was man sehen will, und schließlich ganz aufhört zu sehen. So konnte man zum Beispiel entspannt durch die Straßen gehen, ohne all die Menschen sehen zu müssen, die einen gelben Stern auf der Brust getragen haben. Ich habe immer wieder mit Menschen meiner Elterngeneration diskutiert und nie jemanden getroffen, dem aufgefallen wäre, dass das Leben ihrer jüdischen Mitbürger vor ihren Augen ausgelöscht wurde.

Helnwein: "Kinder, die Massenmorde an Kindern begehen, das ist ein neues Phänomen"
06/14/2018
Die Presse
Helnwein: "Kinder, die Massenmorde an Kindern begehen, das ist ein neues Phänomen"
Almuth Spiegler
Gottfried Helnwein will mit seiner Ringturmverhüllung „die Menschen zwingen, zu sehen“: vor allem die Glorifizierung des Tötens.
Diesen Sommer also kein sorgenloser „Weitblick“ vom Ringturm der Wiener Städtischen wie voriges Jahr das Bergbild von Mihael Milunović hieß. Kein Riesen-Swimmingpool (Tanja Deman, 2015), kein luftiges Agnes-Schleierbild (Arnulf Rainer, 2014). Sondern erstmals Provokation auf Wiens größter Fläche für Kunst im öffentlichen Raum. Gottfried Helnwein lässt ein Mädchen mit einer Maschinenpistole auf das Treiben am Donaukanal zielen. Worauf genau? Das weiß auch Helnwein nicht, wohl auf irgendein Wohnhaus donauaufwärts. Auf der Rückseite geht währenddessen eine Stadt in Flammen auf. Ein Konversationsstück in bester künstlerischer Manier. Daran fährt keiner unberührt vorbei.

Confronting the Intolerable
01/24/2017
Los Angeles Review of Books
Confronting the Intolerable
Brad Evans interviews Gottfried Helnwein
Throughout the entire history, the only forces capable of resisting tyranny and suppression are artists, thinkers, and writers. These are the makers of what we call culture, which means the combination of aesthetics and spirituality. Dictators know that, they have a very good sense for the only serious threat to their power: free creation and free communication. On this planet, creating means to stand up, to rebel, to resist, it means striking back.

Schauen Sie einfach nicht hin!
06/06/2018
Standard
Schauen Sie einfach nicht hin!
Stefan Weiss
Helnwein über seine Ringturm-Verhüllung
Mitte Juni soll sie fertig sein, die jährliche Verhüllung des Wiener Ringturms im Auftrag der Wiener Städtischen Versicherung. Gestaltet wird sie diesmal von Gottfried Helnwein. Der Künstler sieht sich in der Tradition von Goya und Picasso, auch sie haben die Kriege ihrer Zeit in ihrer Kunst festgehalten. Das sei eine Notwendigkeit, meint Helnwein. Wir haben ihn per E-Mail in seiner Wahlheimat Los Angeles erreicht.

03/26/2017
Die Presse
Gottfried Helnwein: "Freiheit muss man an sich reißen"
Judith Hecht
"Ich bin geradezu besessen von der Idee der Freiheit", sagt Gottfried Helnwein. In Los Angeles fühlt er sich frei, weil es in der Stadt eine Toleranz gebe, "die nicht auf hohen ethischen Prinzipien basiert". Angst vor Donald Trump hat er nicht und kann sie auch nicht nachvollziehen. Vielmehr hält er die Reaktionen auf den neuen US-Präsidenten für Massenhysterie.